Autor: Kora Blanken

Die innovate!2018 aus Bühnensicht

Wohin klemmen Moderatorinnen den Funksender ihres Headsets, wenn sie ein Kleid anhaben? Ich wusste es nicht … bis zur innovate!2018

Mein erstes Mal – ohne Handmikro

Im Normalfall moderiere ich mit Handmikro. Aber die innovate!2018 – das hieß für mich und meinen grandiosen Moderationspartner Stefan Sautmann durchzumoderieren. Und zwar von 12 Uhr mittags bis 10 Uhr abends. Ich weiß nicht, wie viele Hände wir auf der Bühne geschüttelt, wie viele Gesprächspartner wir angekündigt und wie viele organisatorische Hinweise wir dem innovate!-Publikum gegeben haben. Um Kopf und Hände frei zu haben, brauchte ich definitiv Moderationskarten. Handmikro adé!

Also: Kleid auf, Funke angesteckt, Kleid wieder zu rauf auf die Bühne. Morgens ist es noch recht übersichtlich. Kurze Begrüßung, ein paar Hinweise auf die Workshops und die parallel laufenden Barcamps. Dann im Wechsel mit Stefan die Ankündigung der vier Workshops. Stefan beginnt mit Alex Ruthmeier von Ex-Rocket Internet. Ich luke hinter der Bühne hervor, nehme noch einen Schluck Leitungswasser und gehe ins Scheinwerferlicht als Stefan Speaker Alex Ruthmeier ein in Folie verpacktes Paket mit Bier als Dankeschön für seine Keynote übergibt.

Flo ist Tim und Tim ist Flo

Nächste Aktion: Tim vom Seedhouse begrüßen. Huch, der kommt gar nicht allein. Ah, okay, denke ich, das muss Flo sein, der am Tag vorher noch krank war und nicht genau wusste, ob er kommen kann.

Dummerweise verwechsele ich die beiden. Flo ist Tim und Tim ist Flo. Mist! Aber Flo rettet den kleinen Patzer gekonnt humorvoll:

Ich bin der, der heute scheiße aussieht.

Danke an dieser Stelle, lieber Flo. Runter von der Bühne, Schluck Wasser, Präsentation über Back-Stage-Monitor verfolgen.

Das erste Osnabrücker Accelerator-Programm und das Team von Seedhouse unterstützt andere Startups, die noch ganz am Anfang ihres Unternehmens stehen – mit Büroräumen, individuellen Coachings und einem Netzwerk aus potenziellen Kunden, Investoren und Partnern aus dem erweiterten Wirtschaftsraum Osnabrück.

Der Moment, in dem die Moderatorin das Bier bringt

Oh nein, die brauchen zu lange. Wir müssen die Zeit im Blick behalten. Ich luke wieder hinter der Bühne hervor und da bietet sich mir die Chance. „Das ist der Moment, in dem Fragen gestellt werden können“, sagt Flo. Bevor jemand im Publikum seine Hand heben kann, greife ich blitzschnell das kleine Dankeschön-Präsent und stelle mich neben Flo. „…oder der Moment, in dem die Moderatorin das Bier bringt“, sage ich und beende damit den Workshop. Glücklicherweise folgen einige Zuhörer meinem nachgeschobenen Aufruf und stellen den beiden im Nachgang im persönlichen Gespräch ihre Fragen.

In der Kaffeepause im Foyer und Restaurant haben die Besucher der innovate! die Chance zum Netzwerken – auch an verschiedenen Ständen, wie etwa unserem.

Runde Nummer zwei der Workshops verläuft ruhiger, aber nicht weniger spannend für die Zuschauer. Borris Förster, Director bei eccelerate und Partner beim Think Tank Foodnext, erklärt, was Startups für erfolgreiche Unternehmen gefährlich macht und warum Erfahrung nicht immer hilfreich ist. Im darauffolgenden Workshop berichteten Paris Özel und Max Kultscher von ihrer ersten Zeit mit ihrem Startup BugFoundation und wie sie es auch ohne die Hilfe einer gewissen TV-Show geschafft haben, ihre Insektenburger erfolgreich am Markt zu platzieren.

Über Funklöcher und Kartoffelroder

Dann kommt die Podiumsdiskussion. „Quo vadis, Digitalisierung Niedersachsen“ lautet der Titel. Staatssekretär Stefan Muhle aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung kommt wegen eines Termins erst kurz vor Beginn. Mit Matthias Hunecke, dem Gründer von brille24.de, und Nikolas Fromm, dem Geschäftsleiter Digital bei den NOZ Medien und mh:n Medien, führe ich hinter der Bühne aber schon einmal ein angeregtes Gespräch. Und auch Christoph Grimme, Mitglied der Geschäftsleitung Grimme Landmaschinen und Gründer von Schmiede:One, lerne ich vorher kennen.

Fast eine Stunde lang sprechen die Vertreter aus Wirtschaft und Politik miteinander über Digitalisierung und Startups in Niedersachsen. Sie diskutierten über Funklöcher, Breitbandausbau und den Masterplan der Niedersächsischen Landesregierung – nicht ohne Differenzen, aber doch recht harmonisch. Und in einem sind sie sich einig: Der Wirtschaftsstandort Osnabrück biete Startups einen guten Nährboden. Auch weil in der Region schnell ein wertvolles Netzwerk entstehen könne. Hier sei alles weniger anonym als beispielsweise in Hamburg und Berlin. Christoph Grimme fasst es gut zusammen:

Hier braucht man nicht zu erklären, was ein Kartoffelroder ist.

Gefühlte drei Liter Wasser intus. Ich muss mal ums Eck. Vorher versichere ich mich beim Techniker, dass mein Mikro aus ist. In der Zwischenzeit moderiert Stefan Speaker Nico Lumma an. Ich bin pünktlich zur Anmoderation von Norbert Winkeljohann wieder zurück. Beide Speaker geben auf der innovate!2018 einen Einblick in die Zukunft der Digitalisierung. 

Wie eine Drohne Leben retten kann

„Nach einem heißen Sommer kommt bekanntlich ein kalter Winter – ein Traum für jeden Skifahrer“, sagt Konstantin Kollar. Er steht auf der Bühne und deutet auf ein Foto, das über seinem Kopf an eine riesige Leinwand projiziert wird. Ein Skifahrer bei seiner rasanten Abfahrt über eine weiße Schneelandschaft ist darauf zu sehen. Dann klickt Konstantin auf die Fernbedienung. Das nächste Bild auf der Leinwand ist komplett schwarz. „Und das sieht ein Skifahrer, wenn er von einer Lawine erfasst wurde.“ Der Traum des weißen Schneevergnügens wird im Lawinenfall zum schwarzen Albtraum.

Innerhalb von 7 Minuten erklärt Konstantin, wie schnell der Sauerstoffgehalt unter der Schneedecke absinkt, nach wie vielen Minuten ein Lawinenopfer im Durchschnitt gefunden wird, dass in den meisten Fällen nur noch Leichen geborgen werden können und dass er mit seinen Kollegen von Bluebird Mountain eine Drohne entwickelt hat, die das Auffinden von Verschütteten erheblich beschleunigen und die Überlebenschance vergrößern soll.

Ich stehe neben dem Kuratorium an der Bar im Alando Palais und reiche das Mikro für Nachfragen zur sogenannten PowderBee herum. Konstantin antwortet souverän. Er hat die Chance, sich gegen zwei weitere Nominierte für den Campus-Award durchzusetzen, der jährlich auf der innovate! verliehen wird. Ihm und seinem Team winken 5.000 Euro und die Chance, beim Seedhouse-Accelerator-Programm mitzumachen.

Jubelschreie und Konfettiregen

Etwa eine Stunde später steht Konstantin wieder auf der Bühne und nimmt im Konfettiregen den Award entgegen. Obwohl er bei seinem Pitch nach den maximalen 7 Minuten noch nicht am Ende war und die Band ihn unterbrechen musste – Konstantin hat überzeugt. Und auch das Team von Tioli – Take it or leave it freut sich kurze Zeit darauf unter Jubelschreien über den erstmals verliehenen Food- und Agrar-Startup-Award aus Glas, einen Scheck über 5.000 Euro und ein zusätzliches Mediabudget. Das Team hat es ebenfalls innerhalb von 7 Minuten geschafft, das Kuratorium zu überzeugen. Gerade bevor die Band  mit einer Idee überzeugt, die Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten das Einkaufen erheblich erleichtern soll. Es entwickelt eine App, die über einen Code auf den Verpackungen schnell herausfiltert, ob das Produkt vom Nutzer konsumiert werden kann oder nicht.

Und dann wartet noch ein gläserner Award auf der Ballustrade am Technikerpult auf seinen neuen Besitzer  – der begehrte iuk-Unternehmensaward. Das iuk-Unternehemensnetzwerk ist Veranstalter der innovate!. Als Verein ist es das Sprachrohr der IT- und Kommunikationsbranche im Wirtschaftsraum Osnabrück und vertritt 70 Unternehmen und 21 außerordentliche Mitglieder. In diesem Jahr geht der Preis an G&S Satcom. Das junge Unternehmen entwickelt für Endkunden Softwarelösungen für Satellitenkommunikation und wurde in einer Vorauswahl als Gewinner ermittelt.

Stefan und ich stehen neben den strahlenden Siegern, schütteln Hände und halten die Menschen auf der Bühne für ein Foto fest. Mit ein paar abschließenden Hinweisen endet der offizielle Teil der innovate! – pünktlich.

Runter von der Bühne. Schluck Wasser. Und ab zur Aftershow-Party – natürlich ohne Mikro und Funksender. Der steckt bei Moderatorinnen im Kleid übrigens am BH.